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26. Februar 2021

Pressemitteilung

Polizei ist auf den zu erwartenden massiven Anstieg beim Kindesmissbrauch nicht vorbereitet

  Foto: Thomas Vesper/GdP   Düsseldorf.

Mehr als 60 000 Verdachtsfälle von Kinderpornografie werden jedes Jahr vom National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) in den USA an das Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet, weil die Täter aus Deutschland amerikanische Server genutzt haben. Eine Zahl, die bereits seit Jahren sprunghaft steigt und auch im kommenden Jahr noch einmal deutlich steigen wird. Bislang hat das BKA eine erste Prüfung der Vorgänge vorgenommen, ab dem 1. März sind dafür die Landeskriminalämter zuständig. Die Strafverfolgung erfolgt anschließend in den Polizeibehörden vor Ort. Trotzdem sind bislang weder das LKA in Düsseldorf noch die Polizeibehörden auf den zu erwartenden sprunghaften Anstieg der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle vorbereitet. Weder ist die Zahl der Ermittler ausreichend, noch stehen die erforderlichen zusätzlichen Büroräume samt technischer Ausstattung bereit.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) befürchtet deshalb, dass zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch nicht oder erst deutlich zu spät verfolgt werden können und fordert deshalb ein Sofortprogramm zur Stärkung der Ermittlungsdienste. „Nach Lügde haben wir deutlich mehr Kripo-Beamte für die Bekämpfung des Kindesmissbrauchs bereitgestellt. Das ging nur durch Personalverschiebungen innerhalb der Kripo und führt in anderen Bereichen zu erheblichen Mehrbelastungen. Trotzdem reichen die vorhandenen Ermittler nicht, um zu verhindern, dass in Zukunft ein Großteil der Täter straffrei bleibt. Und wir brauchen mehr IT-Experten und Fachkräfte, die die Polizisten bei der Auswertung der ständig steigenden Datenmengen unterstützen“, fordert der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz. „Die zusätzlichen Stellen müssen jetzt bereitgestellt werden und nicht erst in ein paar Monaten, wenn die Welle der Missbrauchsfälle über die Polizei hereingebrochen ist.“

Durch die in Kürze anstehende Änderung des Netzdurchsuchungsgesetzes ist zudem mit einem weiteren massiven Anstieg der Fälle zu rechnen, auf die sich die Polizei schon jetzt vorbereiten muss. „Ein Weiter so kann es nicht geben. Die Kripo ist schon lange an der Grenze der Belastbarkeit angekommen“, sagt Maatz.


 
 
 
 
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